Hilfenotruf - Pflegenotstand wird
zum riesengroßen Problem
Heute morgen schau ich in mein Postfach und blicke fassungslos auf die E-mail von Sandra Schadek:
Hallo,
ich brauche euer aller Hilfe. Mein Pflegedienst hat mir aufgrund ständigen Personalmangels zum 30. April meine Versorgung gekündigt. Wenn einer von euch eine Lösung weiß oder eine nette, junge Frau im Alter zwischen 20 und 45 Jahren kennt, die im Großraum Wolfsburg im Bereich der Pflege arbeiten möchte, dann soll sie sich schnellstmöglich unter meiner E-Mail Adresse melden. Vielen Dank für eure Mithilfe und noch einen schönen sonnigen Tag wünscht euch Sandra www.sandraschadek.de
Ich habe durch den Pflegenotstand schon seit langem die allergrößten Probleme und dachte immer, dass es daran liegt, dass ich auf Heimbeatmung spezialisiertes examiniertes Pflegepersonal benötige. Immer wieder höre ich von anderen beatmeten Betroffenen oder deren Angehörigen, dass es ihnen nicht anders geht. Doch nun hat sich das Problem wohl schon auf alle Pflegebereiche ausgeweitet.
Pflegedienste können Versorgungen von schwerst hilflosen pflege-bedürftigen Menschen nicht mehr wegen Personalmangel aufrecht erhalten und kündigen den Betroffenen. Das ist für mich die Horrorvision schlechthin. Wann wacht die Gesellschaft denn endlich auf? Pflegebedürftigkeit kann jeden von heute auf morgen treffen, mag man nicht hinschauen?
Leben die meisten Menschen nach dem Motto: „es isch no emmer guat ganga?“ Woher nehmen wir uns in so vielen Bereichen das Recht des Wegschauens, der Ignoranz und des Selbstbetrugs? "Nur weil bei uns noch nichts passiert ist, kann Japan bei uns nicht passieren, wir haben ja keine Bedrohung durch Tsunamis..." – was für ein Selbstbetrug, wir sind auch ohne Tsunamis nicht davor gefeit!!!
- Unfall im Straßenverkehr, Unfall im Haushalt, in der Arbeit, beim Sport, Erkrankungen, die einen hilflos und schwerstpflegebedürftig machen, sind statistisch allgegenwärtig und können jeden, aber auch jeden treffen, jederzeit. Und es trifft auch immer mehr Menschen.
Weshalb gib es immer weniger gut qualifiziertes Pflegepersonal, die gerne in der Häuslichkeit von Pflegebedürftigen arbeiten? Es ist ein Beruf mit Zukunft, der ganz dringend gebraucht wird.
Gute Pflegedienste für Heimbeatmung (da kenne ich mich aus und kann deshalb darüber schreiben) bekommen durchschnittlich pro Tag 8 Anfragen, ob sie einen Patienten zur 24h-Versorgung übernehmen können. Das sind monatl. ca. 160 Anfragen....
Für 1 24h-Versorgung, um sie mit Krankheitsausfall und Urlaubszeit vollständig abdecken zu können, benötigt man 5 Pflegevollkräfte. Das würde heißen, um auf die Anfragen mit Übernahme der Versorgungen eingehen zu können, müsste der Pflegedienst 800 weitere examinierte Pflegekräfte zur Verfügung haben... Derzeit völlig utopisch!!!
In der Heimbeatmung ist es unbedingt notwendig ausschließlich examinierte Pflegekräfte einzusetzen. Das schreiben die Kassen vor, Heimbeatmung ist ein Bereich der außerklinischen Intensivmedizin und gute Qualifikation der Pflegenden ist für den beatmeten Menschen lebensnotwendig!
Die beatmeten Menschen, die auf eigenen Wunsch in Ihrer Häuslichkeit versorgt werden möchten, sollen durch das Pflegepersonal bestens unterstützt werden. Keinen Klinikalltag zuhause, sondern normales Leben in allen Facetten, wollen die Menschen ermöglicht bekommen , die sich Pflegenden anvertrauen.
Es ist doch eine reizvolle Aufgabe bzw. Arbeit Zeit zu haben für den beatmeten Menschen, Qualität in der Pflege leisten zu können, Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die individuelle Lebenssituation des beatmeten Menschen entwickeln zu können, und all das, was an positiven Schlagworten im Pflegebereich aus aller Munde kommt, tatsächlich mit Inhalt zu füllen.
Es ist geradezu tragisch, dass in den letzten Jahren diese Ausbildungs-Stops und Einstellungs-Stops für examiniertes 3-jährig ausgebildetes Pflegepersonal stattgefunden haben und so viele sich nicht mehr intensiv fachweiterbilden konnten. Der Preis, der nun dafür gezahlt werden muss, ist so erschreckend hoch und für Menschen in meiner Situation, tatsächlich lebensbedrohlich.
Es ist mir ein großes Anliegen zuallererst junge Pflegerinnen (22-45 Jahre alt) aus Niedersachsen, Großraum Wolfsburg, anzusprechen, die gerne in der häuslichen Pflege arbeiten wollen, sich doch bitte bei Sandra Schadek zu melden!!!
Ich wohne dagegen entgegengesetzt in Baden-Württemberg, Pflegende im Großraum Stuttgart, Esslingen oder Göppingen sind angesprochen, denn ich wohne in Kirchheim unter Teck. Auch ich suche ganz dringend gutes examiniertes Pflegepersonal, das sich bestenfalls schon mit Beatmung auskennt. Wenn nicht, wird man bei mir keinesfalls „ins heiße Wasser geworfen“ sondern bekommt zuallerst die Möglichkeit mich unverbindlich kennenzulernen. Falls man danach bei mir arbeiten möchte, längstens 7 Tage vor dem ersten Dienst (am besten 3-2 Tage davor) eine sehr gute Einarbeitung von 8 – 16 Stunden (1-2 Tagen).
Der Hauptaugenmerk in meiner Versorgung wird auf gefühlvolles effizientes endotracheales Absaugen gelegt (auch das wird gründlichst eingearbeitet) und als zweites sind mir Transfer/Mobilisation mit dem Lifter sehr wichtig. Bei Transfers ist man immer zu zweit mit einer Pflegeassistentin, benutzt immer den Lifter und es wird nicht nur auf mein Wohlbefinden geachtet sondern auch auf die Rückenentlastung der Pflegenden... Alles andere ist individuell, es ist nicht Klinik sondern ganz normaler Alltag. Ich esse, schlafe, arbeite am PC, muss meinen Haushalt machen, möchte Freizeitvergnügen und weil das mit mir allein nur im Kopf funktioniert, brauche ich hilfreiche motivierte Hände, die mir helfen und mich unterstützen, damit das alles tatsächlich stattfinden kann. Da ich nicht gesund bin, brauche ich auch behütete Ruhephasen...
Mein Team besteht aus lauter netten Menschen, die es Neuen leicht machen, sich hier ebenfalls wohlzufühlen.
LIEBE PFLEGENDE, es ist eine ziemlich große Notsituation im Norden wie im Süden – wer die Möglichkeit für sich sieht, Sandra zu helfen, meldet euch bitte bei ihr!
Falls Sie in meiner Nähe zuhause sind und ich auch nur vage Ihr Interesse wecken konnte, melden Sie sich bitte per Mail unter: connypabst@arcor.de. Ich hoffe von Herzen auf Ihre Zuschriften.
Herzlichst
Conny Pabst